STEFAN MAITZ
Informelle Klarheit
Ich liebe das Ungeordnete – aber nur, wenn es eine eigene, innere Ordnung trägt. Die informelle Malerei hat mich immer fasziniert, weil sie eine Freiheit kennt, die nicht in Beliebigkeit ausufert. Ich versuche, aus der Bewegung heraus zu handeln, ohne ihr die Richtung zu nehmen.
In meinen Bildern geschieht vieles gleichzeitig. Tropfen, Linien, Überlagerungen, Lasuren – sie alle folgen vielleicht einem inneren Rhythmus. Ich weiß nicht wohin sie führen, aber ich spüre, wann sie miteinander kommunizieren. Das ist der Moment, in dem das Bild eine Ordnung annimmt, die nicht gestaltet ist, sondern geworden. Diese Klarheit ist nicht die eines Systems, sondern die des Atems.
Sie entsteht aus einer Art Übereinstimmung, einer Selbstverständlichkeit im Chaos. Wenn das sich zeigt, verliert das Bild seine Zufälligkeit, ohne seine Lebendigkeit einzubüßen. Ich erkenne diesen Moment daran, dass es plötzlich nichts mehr hinzufügen gilt. Das Bild hat dann seinen eigenen Herzschlag. Es lebt.
Klarheit ist für mich kein ästhetisches Ideal, sondern eine Erfahrung. Sie bedeutet, dass Wesentliches sichtbar geworden ist – ohne Umwege. Diese Art von Klarheit kann man nicht planen, sie entsteht aus Vertrauen. Vertrauen in den Moment, in das Selbstverständliche.
Der Betrachter als Mitspieler
Ein Bild entsteht oft zweimal: einmal im Atelier, einmal im Auge des Betrachters. Nicht als ZuschauerIn, sondern als MitspielerIn. Er/Sie vollendet letztlich, was ich begonnen habe. Geschichte, Stimmung, Fragen kommen mit hinein. Ich öffne Räume, der Betrachter kann eintreten. Ich erwarte Achtsamkeit, mehr nicht.
Diese Haltung hat sich mit den Jahren verstärkt, ich lasse mehr geschehen. Der Blick des/der Anderen verändert das Werk. Jedes Auge bringt eine andere Frage, eine andere Antwort mit ins Bild. Manche spüren, dass die Malerei nicht antwortet, sondern fragt. Sie fordert zwar nichts, aber sie verbindet. Dieses stille Gespräch zwischen Werk und Betrachter ist für mich ein Anliegen.